Bild Prophetische Kirche

Sr. Benedikta Böckelmann
(Steyler Missionsschwester)

 
Warum machen Sie mit bei dem Aufruf?

Der Aufruf für eine prophetische Kirche „Leben in Fülle für alle!“ ist für mich eine Hoffnung, dass Christinnen und Christen sich deutlicher als in den vergangenen Jahrzehnten an die prophetische Sendung Jesu erinnern und in der heutigen Welt und Gesellschaft in seine Fußstapfen treten. Mit dem Blick auf das gefährdete Geschenk der Schöpfung Gottes und die Situation vieler Menschen in unserer Welt wird es mir immer klarer, es kann nicht nur um eine Binnensicht der Kirche gehen, sondern um einen Blick auf den geschundenen Menschen in einer bedrohten Umwelt. Als langjährige Missionsschwester der Steyler Frauengemeinschaft habe ich mich seit meinem Ordenseintritt immer wieder mit der Frage nach der Mission auseinandergesetzt. Stets standen mir die wichtigen Menschheitsfragen nach dem Sinn des Lebens in dieser schwierigen Welt vor Augen. Das II. Vatikanische Konzil war für mich eine Hoffnung und ein Aufbruch in eine bessere Welt in dem Sinne, dass es uns Christen vielleicht gelingen könnte, mit allen Menschen guten Willens zusammen zu arbeiten, um Hunger, Unwissenheit und Unfrieden in dieser Welt auszurotten. Es bleibt für mich sinnvoll, für diese Hoffnung zu kämpfen.

 
Haben Sie schon damit gearbeitet oder welche Pläne haben Sie?

Seit dem Konzil haben wir uns in unserer Ordensgemeinschaft intensiv damit auseinandergesetzt, was es heißt, als Christ im „Heute“ zu leben (Aggiornamento).
Ich habe begriffen, dass es darum geht, die Fragen der Menschen ernst zu nehmen und dort zu sein, wo sie leben und mit ihnen gemeinsam die Lebensumstände zu verstehen und zu ändern, wenn möglich. Unter diesem Aspekt habe ich mich Jahrzehnte für die gesamte Problematik von „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ eingesetzt. Ich arbeite seit 18 Jahren eng zusammen mit der „Solidarität mit Frauen in Not“ (SOLWODI) im Kampf gegen Frauen- und Menschenhandel. Anfang 2010 habe ich eine Powerpoint-Präsentation zu der Thematik „Leben in Fülle für alle“ gestaltet. Die Präsentation diente als Gesprächsgrundlage bei Bildungswochen in unserer Schwesterngemeinschaft.

 
Was hat sich dadurch geändert?

Ich glaube, dass wir in unserer Schwesterngemeinschaft und in vielen Gruppierungen, die mit uns verbunden sind, offener sind für die Probleme der Menschen, weil die religiöse Frage in unseren Gemeinschaften immer zu gleich auch eine soziale Frage ist. Stets ist der intensive Wunsch vorhanden, durch unseren gelebten Glauben unsere Suche nach „Frieden im Sinne des Evangeliums, im Sinne der Person Jesu“ zu leben.

 
Träumen Sie mal – Idealfall prophetische Kirche …

Mein Traum vom Idealfall einer prophetischen Kirche ist, dass wir als Christen uns gegenseitig Mut machen, jeder Zeit gegen Unrecht, Diskriminierung anzugehen und mit allen Menschen eine gemeinsame Glaubensgemeinschaft zu bilden. Ich wäre sehr froh, wenn wir als gläubige, christliche Frauen und Männer erkennbar würden, die sich für das friedliche Zusammenleben der Menschen in der Welt einsetzen.

 

 

Kehrt um!