Bild Prophetische Kirche

Br. Stefan Federbusch OFM (Großkrotzenburg)

 
Warum machen Sie mit bei dem Aufruf?

Wichtig ist mir die Verbindung von Spiritualität / Glaube und politischem Bewusstsein, von Mystik und Politik. Für mich darf Glaube als gelebtes Evangelium nicht nur privatistische Frömmigkeit sein, sondern die Schaffung eines Lebens in Fülle für alle. Daher engagiere ich mich im Rahmen unserer Ordensprovinz seit Jahren für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Beim Aufruf für eine prophetische Kirche finde ich diese beiden Pole verwirklicht.

 
Haben Sie schon damit gearbeitet oder welche Pläne haben Sie?

Als Schulseelsorger am Franziskanergymnasium Großkrotzenburg versuche ich, das Anliegen bei Schülern, Lehrern und Eltern präsent zu halten und die Verknüpfung von Glaube und Leben zu gestalten, z.B. durch Aktionen in der Advents- und Fastenzeit. Dabei geht es immer wieder um Bewusstseinsbildung, um Schüler/innen zu einem „politischen“ Denken und Handeln anzuleiten und zu motivieren im Sinne einer Sensibilität für die Anliegen der Einen Welt, die Bewahrung der Schöpfung usw. Die Fastenaktion 2012 haben wir beim Aschermittwochsgottesdienst mit dem Film der Kirchenbank begonnen und die Wochenimpulse unter Themenaspekte gestellt, die in dem Film vorkamen: Rüstungsexporte / Kindersoldaten, Nahrungsmittel“müll“, Wasser, Bewahrung der Schöpfung, Glaube und politisches Handeln.

 
Was hat sich dadurch geändert?

Nach den Osterferien gab es einen Aktionstag für die Schülerinnen und Schüler, bei dem ein von der Schülervertretung (SV) erstellter Film gezeigt wurde, der auf verschiedene Missstände an der Schule hinwies, z.B. auf den unsensiblen Umgang mit der Schöpfung. In allen Klassen, Schulräumen und auf dem Schulgelände wurden neue Müllbehältnisse aufgestellt, die eine konsequentere Mülltrennung bewirken sollen.

 
Träumen Sie mal – Idealfall prophetische Kirche ...

Mein Kirchentraum als Franziskaner ist naturgemäß franziskanisch geprägt:
- weniger hierarchisches und mehr basisgemeindliches Denken
- weniger bestimmende und mehr dienende Kirche
- weniger dogmatische Auseinandersetzung und mehr überzeugend gelebtes Evangelium
- weniger Angst und mehr prophetischer Mut
- weniger Anspruch an andere und mehr eigene Leuchtturmprojekte
- weniger Selbstzufriedenheit und mehr Suche nach einer überzeugenden Alternative zum jetzigen zu Gunsten der Reichen einseitigen und ungerechten Weltwirtschaftssystem
- weniger Ausbeutung und Herrschaft und mehr integrales Bewusstsein einer Schöpfungsspiritualität, die den Menschen als Teil des Ganzen versteht.

 
Weitere Informationen zum Praxisbeispiel von Bruder Stefan

Aschermittwoch 2012 - Gottesdienst "Leben in Fülle für alle"
Montagsimpuls 27. Februar 2012 – Rüstungsexporte / Kindersoldaten
Montagsimpuls 05. März 2012 – Nahrungsmittel

Kehrt um!