Bild Prophetische Kirche

P. Claudius Groß OFM
Bonn-Bad Godesberg

 
Warum machen Sie mit beim Aufruf?

Endlich gibt es eine innerkirchliche Initiative, die kritisch und perspektivisch argumentiert und nicht dem Verdacht ausgesetzt ist, Unzufriedenheit zu artikulieren und zu klagen. Die Missionszentrale der Franziskaner, deren Leiter ich bin, hat denselben Ansatz im Blick auf ein für alle Menschen freies, gerechtes und würdiges Leben.

 
Haben Sie schon damit gearbeitet oder welche Pläne haben Sie?

Ich bin bei einer internen Reflexion unseres Werkes und erfahre Anliegen und konkrete Vorschläge des Aufrufs als Bestärkung unseres Engagements. Zusätzlich war es mir (ich bin seit Anfang 2011 persönlicher Unterzeichner des Aufrufs) möglich, bei gelegentlichen Gesprächskreisen mit Ordensleuten den Aufruf zu „verbreiten“.

 
Was hat sich dadurch geändert?

Das lässt sich für mich nicht einfach feststellen, da es zunächst um eine bewusstseinsfördernde Information geht. Wo ich den Aufruf erwähnt oder vorgestellt habe, gab es Zustimmung - aber der Weg vom Interesse bis zum Engagement ist manchmal weit.

 
Träumen Sie mal – Idealfall prophetische Kirche: …

Für mich ist der Idealfall zwar nicht vorstellbar, solange unsere menschliche Realität soviel Gewicht hat, und diese wird immer spürbar sein. Aber mit Blick auf Jesus Christus und auf das von Ihm verkündete Reich Gottes und auf die durch Ihn gewirkte Erlösung stelle ich mir vor: Es muss doch bei aller Begrenztheit auch von Christen möglich sein, zu einer “versöhnen Verschiedenheit“ zu gelangen zwischen den christlichen Kirchen und ebenso in den einzelnen Konfessionen - einschließlich der römisch-katholischen (in der momentan m.E. eher Abgrenzungen und Ausgrenzungen seitens einzelner Gruppen zu erfahren sind). Ich träume dabei von einer prophetischen Kirche, die aus innerer, von Gott geschenkter Kraft fähig ist, die Realitäten der Menschen heute wahrzunehmen und ihre „Wahrheit“ nicht durch Gebote und Verbote zu interpretieren, sondern die Menschen mitzunehmen - in der Begegnung mit Menschen in jedweder Suche nach Lebenssinn und erfüllten Beziehungen, nach geistlicher Vertiefung auf den unzähligen Marktplätzen von Weltanschauungen und Lebensfallen, nach Gerechtigkeit und Solidarität nicht nur vor der eigenen Türe, nach erfahrbarer Gemeinschaft in einer Kirche, die sich dem Weg weiß und nicht für alles und jedes ein (vorgeschriebenes römisches) Patent hat. Eine Kirche ist meines Erachtens prophetisch, wenn Christinnen und Christen jeglichen Grades (von Rom in alle Richtungen und auch bis nach Bonn) mutig und glaubwürdig dazu stehen, was ihre christliche Überzeugung ist: Die Welt ist nicht idealisierbar, aber zu verändern.

 

Kehrt um!